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04.08.2025 Palliativmedizin

Einsamkeit bei schwerer Krankheit, Sterben, Tod und Trauer

Erfolgreiches Symposium fördert Dialog

Foto: Annika Fritzsche

Priv.-Doz. Dr. Kerstin Kremeike und Priv.-Doz. Dr. Dr. Julia Strupp vom Zentrum für Palliativmedizin der Uniklinik Köln haben Anfang Juli eine interdisziplinäre, internationale Themenwoche mit dem Titel „(Gem)einsam in existentiellen Lebensphasen: Wie fördern wir die Kompetenz im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer?“ durchgeführt. Eine Förderung der Volkswagen-Stiftung machte die erfolgreiche Veranstaltung im Xplanatorium Schloss Herrenhausen in Hannover möglich. Eingeladen waren Expertinnen und Experten aus den Bereichen Palliative Care, Sorgekultur, Death and Grief Literacy, Caring Communities und Gesundheitswissenschaften.

Ziel war es, die Kompetenz im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer zu fördern, gesellschaftliche Strategien gegen Einsamkeit und soziale Isolation zu entwickeln sowie konkrete Handlungsempfehlungen für Politik, Praxis und Gesellschaft abzuleiten. Die Veranstaltung knüpfte damit inhaltlich an die Strategie gegen Einsamkeit des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) sowie an die bundesweite Aktionswoche gegen Einsamkeit an, die kürzlich stattgefunden hat.

Ein wesentlicher Schwerpunkt lag auf dem gemeinschaftlichen Verständnis von Einsamkeit. Es wurde deutlich, dass Einsamkeit ein vielschichtiges Phänomen ist, das soziale, emotionale, existentielle sowie kulturelle und strukturelle Aspekte umfasst. Die Diskussion zeigte zudem, dass Einsamkeit sowohl negative als auch positive Aspekte haben kann, etwa das Gefühl der Authentizität und Selbstbestimmung.

In den Workshops wurden wichtige Forschungsfragen formuliert, beispielsweise zu den Erfahrungen verschiedener Bevölkerungsgruppen wie LGBTIQ+, Menschen mit Behinderungen oder Menschen, die in ländlichen Regionen leben. Es besteht Bedarf an innovativen Interventionen, verbesserten Messmethoden sowie an Ansätzen, die Hoffnung und Verbindung fördern, um die Lebensqualität Betroffener nachhaltig zu verbessern.

Das Symposium hat folgende konkrete politische Forderungen hervorgebracht: die Anerkennung von Einsamkeit als öffentliche Gesundheitsfrage, die Förderung gemeinschaftlicher Unterstützungsstrukturen sowie Reformen im Bereich der End-of-Life-Politik. Besonders betont wurde die Bedeutung von Bildungsinitiativen wie der Integration von Death & Grief Literacy (Sterbe- und Trauerkompetenz) in Schulen sowie der Abbau von Tabus und Stigmatisierungen. Durch öffentliches Engagement und das Sichtbarmachen persönlicher Geschichten soll der gesellschaftliche Wandel vorangetrieben werden.

Praktikerinnen und Praktiker wurden ermutigt, Gefühle wie Trauer und Einsamkeit zu normalisieren, echte Beziehungen aufzubauen und lokale Netzwerke zu stärken. Zentrale Empfehlungen sind der Einsatz innovativer Methoden, der Austausch mit zivilgesellschaftlichen Organisationen sowie die kontinuierliche Reflexion der eigenen Praxis. Ziel ist es, die individuelle Betreuung zu verbessern und communitybasierte Unterstützungsangebote wie Caring Communities auszubauen.

Das Symposium hat gezeigt, wie wichtig eine ganzheitliche Betrachtung und gesellschaftliche Zusammenarbeit sind, um Einsamkeit im Kontext von schwerer Krankheit, Sterben, Tod und Trauer aktiv anzugehen. Die gewonnenen Erkenntnisse werden in den kommenden Monaten in Forschungsprojekte, politische Initiativen und praktische Angebote einfließen. Das Ziel besteht darin, Betroffene besser zu unterstützen und eine offene, inklusive Kultur des Abschieds und der Verbundenheit zu fördern.