Sterben im Krankenhaus – Optimierung der Versorgung in der Sterbephase (StiK-OV)

English Version

Projektleitung: Prof. Dr. R. Voltz., Dr. Kerstin Kremeike
Ansprechpartnerin: Dr. Kerstin Kremeike
Laufzeit: 11/2020 - 10/2023
Fördernde Institution: Innovationsfonds, Gemeinsamer Bundesausschuss (G-BA)

Projektkurzbeschreibung

Krankenhäuser sind mit 47% der häufigste Sterbeort in Deutschland, gleichzeitig ist die Unzufriedenheit mit der Sterbephase seitens der Sterbenden und ihrer Angehörigen hier am größten. Wesentliche Qualitätsindikatoren und Outcomes einer guten Sterbebegleitung wurden bereits konsentiert und Vorschläge zur Erreichung dieses Ziels formuliert. Diese sind jedoch nicht ausreichend an die unterschiedlichen Bedürfnisse und Strukturen einzelner Krankenhausstationen angepasst. Das dreiphasige Projekt zielt auf die Erprobung und Evaluation einfach umzusetzender, situationsgerechter Maßnahmen im klinischen Alltag.

Zunächst werden vorhandene Erfahrungen hinsichtlich einer optimalen Sterbebegleitung im Zuge eines Expertensymposiums und der Erstellung eines Maßnahmenportfolios erfasst. Dann wählen Versorgungsteams von zehn heterogenen Stationen zweier Unikliniken für sie passende Maßnahmen aus und wenden diese im Klinikalltag auf den untersuchten Stationen an. Die Sterbesituation auf diesen Stationen wird sowohl vor (Basiserhebung) als auch nach Anwendung der Maßnahmen (follow-up Erhebung) erhoben – mittels retrospektiver Aktenanalyse von Verstorbenen, einer Fragebogenerhebung mit Mitarbeitenden, multiprofessioneller Fokusgruppen und Angehörigeninterviews. Abschließend werden die Ergebnisse hinsichtlich ihrer Übertragbarkeit auf andere Krankenhäuser überprüft.

Optimierung der Versorgung in der Sterbephase in Krankenhäusern

Im Rahmen des ProjektsSterben im Krankenhaus – Optimierung der Versorgung in der Sterbephase  (StiK-OV) wurde ein Ansatz zur Entwicklung stationsspezifischer Maßnahmen in Arbeitsgruppen (AGs) mit Stationsmitarbeitenden verfolgt. Die Maßnahmen sollen zur Optimierung der Versorgung in der Sterbephase auf Krankenhausstationen außerhalb spezialisierter Palliativstationen beitragen.

Im Folgenden finden Sie Informationen zur Bildung von Arbeitsgruppen, Hinweise zur Durchführung und Übertragung auf andere Krankenhäuser sowie Vorlagen und Hinweise zu entwickelten Maßnahmen.

Die Informationen sollen dazu beitragen, dass auch andere Krankenhäuser einen solchen Prozess gestalten können. Die Vorlagen und Hinweise zu Maßnahmen können auf Bedarfe anderer Krankenhäuser/Stationen angepasst und verwendet werden.

1. Partizipativer Ansatz zur Entwicklung von Maßnahmen auf Stationsebene

Bildung von Arbeitsgruppen (AGs)

Zur Bildung der multiprofessionellen Arbeitsgruppen sollten 3-6 Stationsmitarbeitende rekrutiert werden. Die Rekrutierung kann über die jeweiligen ärztlichen und pflegerischen Stationsleitungen erfolgen. Im StiK-OV-Projekt versendeten die Leitungspersonen über entsprechende Mailverteiler ein Handout mit Informationen über das geplante Vorgehen und/oder sprachen direkt Mitarbeitende an. Die Arbeitsgruppen wurden mit Unterstützung des Projektteams (Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftlern und Personen mit palliativmedizinischer Expertise aus verschiedenen Berufsgruppen) moderiert.

Durchführung

Die AGs sollten sich regelmäßig (4-6 Wochen) über einen vorher definierten Zeitraum (z.B. 1 Jahr) hinweg treffen. Für die Entwicklung der Maßnahmen in den Arbeitsgruppen bietet sich ein strukturiertes Vorgehen an:

  1. Identifizierung von Herausforderungen/Verbesserungsbedarfen
  2. Entwicklung stationsspezifischer Maßnahmen
  3. Planung der Umsetzung der Maßnahmen
  4. Umsetzung der Maßnahmen

Hinweise zur Umsetzung in anderen Krankenhäusern

Der Arbeitsgruppenprozess muss an die Bedürfnisse der Teilnehmenden angepasst werden, v.a. das Maß an struktureller und inhaltlicher Mitgestaltung durch das Team. Für die erfolgreiche Übertragung des Ansatzes auf weitere Krankenhausstationen können die identifizierten hinderlichen und förderlichen Faktoren wichtige Hilfestellungen geben:

Förderliche FaktorenHinderliche Faktoren
Thema ist auf Station relevantBegrenzte zeitliche und personelle Ressourcen

Einbinden von 

  • (motivierten) Führungskräften
  • "optinion leaders"
  • vernetzte Personen
Hohe Fluktuation und abnehmende Teilnahme
Multiprofessionelle ZusammensetzungStationsspezifische Dynamiken / Konflike
Ideen und/oder Material bereits vorhandenStrukturelle Grenzen (z.B. IT)
Mischung: kleine, schnell umzusetzende Maßnahmen und größere, ggf. länger zu planende Maßnahmen 
2. Entwickelte Maßnahmen

Leitungs-/Stationsebene

Übergeordnet wurden Versorgungsstandards zur Versorgung von Patientinnen und Patienten in der Sterbephase erarbeitet, die beispielsweise Begriffserklärungen („palliativ“, „sterbend“) wie auch ärztliche und pflegerische Maßnahmen beinhalten. Hinweise zur Erstellung von Versorgungsstandards finden Sie hier.

Teamebene

Auf Teamebene wurden Fallbesprechungen zur Verbesserung der Kommunikation entwickelt. Damit sollte nicht nur die Informationsweitergabe und Absprachen vor allem zwischen Ärztinnen, Ärzten und Pflegefachpersonal gestärkt werden, sondern ebenso die Verbesserung der gemeinsamen Entscheidungsfindung im Stationsteam. Dazu wurden Checklisten für den Ablauf der Fortbildungen entwickelt. Hier finden Sie zwei Vorlagen für Checklisten (Vorlage 1 und Vorlage 2) und Hinweise zur Durchführung von Fallbesprechungen.

Versorgungsebene

Zur Erhöhung der fachlichen Kompetenz wurden Fortbildungen zu verschiedenen Themen angeboten, wie z.B. Aroma- und Mundpflege (für Pflegefachpersonal), zur Kommunikation mit Patientinnen und Patienten in der Sterbephase sowie deren Angehörigen, Grundsätze zur Versorgung in der Sterbephase wie auch zu palliativmedizinischen Versorgungsstrukturen. Ziel war es, die Stationsmitarbeitenden in ihrer Handlungssicherheit in der Versorgung von Patientinnen, Patienten und Angehörigen zu stärken. Belastenden Symptomen körperlicher, psychosozialer und spiritueller Art soll vorgebeugt werden. Sie sollen frühzeitig erkannt und gelindert werden sowie Maßnahmen, die nicht ausschließlich diesem Ziel dienen oder die Betroffene möglicherweise eher zusätzlich belasten, erkannt und beendet werden. Hier finden Sie Hinweise zur Erstellung und Durchführung von Fortbildungen.

Für die Versorgung von Angehörigen nach dem Versterben der Patientin oder des Patienten wurde ein Angehörigen-Flyer entwickelt. Der Flyer beinhaltet eine Beileidsbekundung der Stationsmitarbeitenden, Informationen dazu was mit Verstorbenen geschieht, was Angehörige nach dem Versterben tun sollten/können und mögliche Hilfen, Anlaufstellen und Kontaktinformationen. Ziel ist es, das Stationsteam bei der Betreuung, Information und Begleitung von Angehörigen zu unterstützen. Hier finden Sie eine Flyer-Vorlage und Hinweise zur Flyer-Erstellung.

Zur Unterstützung des Stationsteams wurde eine Checkliste zur Information Angehöriger nach dem Versterben von Patientinnen und Patienten entwickelt. Inhalte sind Hinweise zur Information der Angehörigen über den eingetretenen Todesfall, Möglichkeiten des Abschiednehmens, Vorgehen bei ungeklärten Todesfällen, weiteres Vorgehen (z.B. zu Todesbescheinigung) und die weitere Betreuung nach dem Abschiednehmen. Für akute Belastungssituationen wurde eine klinikinterne Kontaktliste erstellt. Hier finden Sie Hinweise zur Erstellung einer Checkliste und eine Vorlage für klinikinterne Kontaktliste.

Mittels verschiedener Möbel und Dekorationselemente wurden Abschieds- sowie Patientenzimmer umgestaltet. Ziel war es, eine persönlichere und würdevollere Umgebung im Sterbeprozess zu schaffen. Hier finden Sie Hinweise und Materialliste zur räumlichen Umgestaltung.

Für eine aussagekräftigere Dokumentation der Versorgung in der Sterbephase wurden Empfehlungen formuliert, die sie hier herunterladen können. Ziele waren eine bessere Informationsweitergabe und bessere Absprachen im Stationsteam. Um Gewohnheiten, Vorlieben und Ressourcen von Patientinnen und Patienten in der Sterbephase zu dokumentieren, wurde ein Gewohnheits- und Ressourcenbogen entwickelt. Hier finden Sie eine Vorlage und Hinweise zur Nutzung.

Informationsmaterialien

StiK-OV Maßnahmenübersicht
Versorgungsstandards
Fallbesprechungen
Fortbildungen
Flyer
Nach dem Versterben
Räumliche Gestaltung
Dokumentationshilfen
Literatur

Kremeike K, Ullrich A, Schulz H, Rosendahl C, Boström K, Kaur S, Oubaid N, Plathe-Ignatz C, Leminski C, Hower K, Pfaff H, Hellmich M, Oechsle K, Voltz R. Dying in hospital in Germany - optimising care in the dying phase: study protocol for a multi-centre bottom-up intervention on ward level. BMC Palliat Care. 2022 May 6;21(1):67. doi: 10.1186/s12904-022-00960-1. PMID: 35524257; PMCID: PMC9072764.

Oubaid N, Kaur S, Oechsle K, Ullrich A, Milke V, Schieferdecker A, Kremeike K, Meesters S, Herrmann C, Voltz R, Schulz H. Care for the Dying: A Scoping Review of Measures for Clinical Practice With Qualitative Synthesis. Omega (Westport). 2025 Mar 13:302228251322860. doi: 10.1177/00302228251322860. Epub ahead of print. PMID: 40078118.

Kaur S, Meesters S, Schieferdecker A, Dangendorf A, Strohbücker B, Oubaid N, Ullrich A, Milke V, Oechsle K, Schulz H, Voltz R, Kremeike K. How to Evaluate Hospital Care in the Dying Phase-Development of a Data Extraction Tool for Retrospective Medical Record Analysis. J Eval Clin Pract. 2025 Aug;31(5):e70174. doi: 10.1111/jep.70174. PMID: 40799077; PMCID: PMC12344475.

Meesters S, Schieferdecker A, Kaur S, Oubaid N, Ullrich A, Oechsle K, Schulz H, Voltz R, Kremeike K. Dying in hospital: a retrospective medical record analysis on care in the dying phase in intensive care units and general wards. Int J Qual Health Care. 2025 Apr 14;37(2):mzaf025. doi: 10.1093/intqhc/mzaf025. PMID: 40094993.

Oubaid N, Kaur S, Oechsle K, Milke V, Ullrich A, Schieferdecker A, Kremeike K, Meesters S, Herrmann C, Voltz R, Schulz H. How do healthcare professionals on non-palliative care wards perceive quality of care in the dying phase? Personal and organizational predictors identified in a cross-sectional study. PLoS One. 2025 Oct 31;20(10):e0334650. doi: 10.1371/journal.pone.0334650. PMID: 41171745; PMCID: PMC12578199.

Meesters S, Kaur S, Milke V, Herrmann C, Schieferdecker A, Oubaid N, Oechsle K, Schulz H, Pfaff H, Voltz R, Kremeike K. Formative evaluation of an employee-driven approach to improve care in the dying phase in hospitals. Palliat Support Care. 2025 Jul 18;23:e135. doi: 10.1017/S1478951525100400. PMID: 40676716.

Oubaid N, Kaur S, Milke V, Ullrich A, Schieferdecker A, Kremeike K, Meesters S, Herrmann C, Voltz R, Schulz H, Oechsle K. Healthcare Professionals' Perceived Burden Related to Care in the Dying Phase - Results of a Cross-Sectional Explorative Study on General Wards and Intensive Care Units. Omega (Westport). 2025 Jun 19:302228251353548. doi: 10.1177/00302228251353548. Epub ahead of print. PMID: 40536794.

Entstandene Videos zum Projekt
Broschüre: "Das Lebensende auf der Intensivstation - Orientierung für Angehörige"
3 MB